lpv_website019010.jpg
Landschaftspflegeverband "Thüringer Grabfeld" e.V.
Projekt
Umsetzung des Pflege- und Entwicklungskonzeptes für die Fließgewässer II. Ordnung in der Gemeinde Grabfeld 
 
 



Der Landschaftspflegeverband „Thüringer Grabfeld“ e.V. erarbeitete im Auftrag der Gemeinde Grabfeld im Zeitraum vom 01.08.2009 bis 30.11.2009 ein Pflege- und Entwicklungskonzept für die Schwerpunktgewässer „Bibra“ und „Jüchsen“ sowie deren Nebengewässer. Durch einen Betreuungsvertrag zwischen der Gemeinde Grabfeld und dem Landschaftspflegeverband wird die fachliche Betreuung der Unterhaltung von Fließgewässer II. Ordnung unter Berücksichtigung verbindlicher Vorschriften der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie (EU – WRRL) vom 22.12.2000 und des Thüringer Wassergesetzes durch den Landschaftspflegeverband übernommen. Die Unterhaltungspflicht verbleibt entsprechend der Bestimmung des § 68 Abs. 1 Pkt. 2 des Thüringer Wassergesetzes (ThürWG) bei der Kommune.

Die zentrale Forderung der EU - WRRL ist der „gute“ ökologische und chemische Zustand für alle Gewässer der Gemeinschaft innerhalb von 15 Jahren nach In-Kraft-Treten der Richtlinie.

Im Rahmen des ersten Bewirtschaftungszyklus der EU – WRRL von 2009 bis 2015 wurden Schwerpunktgewässer ausgewählt. Die „Bibra“ und „Jüchsen“ zählen zu diesen sogenannten Schwerpunktgewässern. Das Hauptinstrument der Wasserrahmenrichtlinie ist der Bewirtschaftungsplan, welcher spätestens neun Jahre nach In–Kraft–Treten aufzustellen und alle sechs Jahre zu aktualisieren ist. Eine Pflege- und Entwicklungskonzeption entspricht den Vorgaben eines solchen Bewirtschaftungsplanes und beinhaltet die zur Zielerreichung notwendigen Maßnahmen.

Die durch den Landschaftspflegeverband „Thüringer Grabfeld“ e.V. erstellte Pflege- und Entwicklungskonzeption der „Bibra“ und „Jüchsen“ stellt eine fachliche Unterstützung für die zukünftige Unterhaltung und Zielerreichung der Vorgaben der EU–WRRL für die Gemeinde Grabfeld dar.

Durch Untersuchungen der Wasserqualität, der biologischen Gewässergüte und der Gewässerstrukturgüte werden Defizite ermittelt und unter Berücksichtigung der bestehenden Restriktionen zielgenaue Maßnahmen erarbeitet.

Der Gemeinde Grabfeld werden somit Möglichkeiten und Maßnahmen aufgezeigt, die Vorgaben der EU–Wasserrahmenrichtlinie zu erfüllen.













Punktmaßnahme 1
Anlage eines leitbildkonformen Ufergehölzsaumes– Gemarkung Wolfmannshausen

Seit dem 17.10.2011 werden erste strukturverbessernde Maßnahmen an den Schwerpunktgewässern Bibra und Jüchsen durchgeführt.

Zur Entwicklung eines standorttypischen Gehölzsaumes wurden an einem 2.713 m langen Gewässerabschnitt der "Bibra" in der Gemarkung Wolfmannshausen 110 Hochstämme,
40 Heister und 70 Sträucher angepflanzt. Die Pflanzungen erfolgten auf gemeindeeigenen Flächen. Bei der Auswahl der Gehölzarten wurde sich an der "Potentiell Natürlichen Vegetation" (PNV) orientiert.
Neben der Anpflanzung standorttypischer Gehölze, fanden einzelne Gehölzentnahmen (Säulenpappeln) sowie ein Pflegeschnitt am vorhandenen Graupappelbestand statt.


Punktmaßnahme 2
Lokale Uferaufweitung – Gemarkung Queienfeld

Da eine eigendynamische Gewässerentwicklung der Bibra aufgrund der Gefälleverhältnisse kaum möglich ist, wurden Maßnahmen zur Laufentwicklung bzw. sofortigen ökologischen Aufwertung der Bibra durchgeführt. Das Gewässer wurde auf einer Länge von 25 m einseitig aufgeweitet. Die Maßnahme erfolgte auf einem gemeindeeigenen Flurstück. Da das Flurstück an die Agrargenossenschaft verpachtet ist, wurde die durch die Maßnahme in Anspruch genommene Fläche (ca. 250m²) aus dem bestehenden Pachtvertrag herausgenommen. Zudem wurde die Maßnahme mit dem Amt für Landentwicklung und Flurneuordnung Meinigen abgestimmt (siehe Schreiben vom 29.09.2011).
Um ein weiteres Ausspülen des Ufers in Richtung Brückenbauwerk zu verhindern und das neu geschaffene Ufer zu begrünen, wurden 5 Hochstämme (5 Alnus glutinosa, 2 Fraxinus excelsior) und 4 Sträucher (Salix purpurea).
Bei der Bauausführung wurde auf eine abwechslungsreiche Gestaltung des neuen Uferbereiches und Gewässerbettes mit Tief- und Flachwasserzonen geachtet. Die Böschungsverhältnisse variieren von 1:2 bis 1:6. Stellenweise wurde das Gewässerbett bis auf 7 m aufgeweitet.
Um die eigendynamische Entwicklung zu fördern, wurde eine lebende Wurzelstockbuhne in den linken Uferbereich vor der Uferaufweitung eingebaut. Die Buhne trägt durch seine strömungsablenkende Wirkung zur Entwicklung naturnaher Uferstrukturen bei.
In dem neu geschaffen Uferbereich ließ die Gemeinde eine Bank aufstellen, welche sehr gut von den Einwohnern der Gemeinde angenommen wird. Die Gemeinde Grabfeld beabsichtigt in den nächsten Jahren eine Art Gewässerlehrpfad anzulegen, um über die Notwendigkeit derartiger Maßnahmen zu informieren und das Interesse in der Öffentlichkeit zu wecken. Zunächst soll eine kleine Schautafel an der Uferaufweitung aufgestellt werden.

Punktmaßnahme 3

Rückbau Sohl- und Uferverbau – Gemarkung Exdorf und Jüchsen
Die Sohle und die Böschung der Jüchsen wurden im Oberlauf auf einer Länge von 200 m ausgebaut. Die Sicherung aus Betongitterplatten (900mmx600mmx80mm) wurde restlos abgebrochen. Das verletze Ufer wurde mit anstehendem Boden profilgemäß angedeckt und punktuell mit Weidensetzstangen sowie standorttypischen Baumarten begrünt (rechtes Ufer). Um den linken Ufergehölzsaum aus Berg- Ahorn aufzulockern, wurden einzelne Gehölze (12 Stück) gefällt. Zur Verhinderung eines Wiederausschlagens wurden die Wurzelstöcke gefräst.

Zur Wiederherstellung der linearen Durchgängigkeit wurde das Einlaufbauwerk umgebaut, welches zur Bespannung des verrohrten Altlaufes der Jüchsen errichtet wurde und das Niedrig- und Mittelwasser in die Verrohrung abführt. Daher fiel der Verlauf der „Jüchsen“ im Unterstrom des Bauwerkes bei Mittelwasser trocken. Da die Drainagehauptsammler in den verrohrten Altlauf münden und dieser sich im Laufe der Zeit ohne permanente Spülung mit Sedimenten zusetzen könnte, wurde das Bauwerk entsprechend umgestaltet. Zunächst wurde das Querbauwerk bis auf den Schacht des Einlaufbauwerkes restlos abgebrochen. Das Betonteil zur Sicherung der Zulaufleitung, welche in den Schacht mündet, sollte belassen werden. Während der Bauarbeiten stellte sich heraus, dass der Beton brüchig war. Daher wurden die Rohrleitung und das Sicherungsbauteil außerplanmäßig abgebrochen und durch eine neue Rohrleitung ersetzt. Anschließend wurde eine Sohlgleite auf einer Länge von ca. 42 m mit einem Gefälle von 1,5 % in geschütteter Bauweise eingebaut. Die Sohlgleite besteht aus einer 0,5 m starken Steinschüttung unterschiedlicher Korngrößen (LMB 5/40 und Splitt 16/32), um die Stabilität der Sohlgleite durch das Verzahnen des Schüttgutes dauerhaft zu gewährleisten. Der Schacht wurde saniert. Um die Spülung des verrohrten Altlaufes weiterhin zu gewährleisten, wurde eine neue absperrbare Zulaufleitung in die Sohlgleite eingebunden (siehe Foto 43 und Karten 1 und 2 – Bauausführung Sanierung Schacht).






Seit dem 01.05.2013 arbeitet der LPV „Thüringer Grabfeld“ e.V. gemeinsam mit der Gemeinde Grabfeld an einem Projekt zur Bereitstellung eines Entwicklungskorridors an der Jüchse(n) in den Gemarkungen Exdorf und Jüchsen.

Infolge der 2011 bis 2014 durchgeführten Maßnahmen wurde die Fließgewässerdynamik nachhaltig verbessert. Bereits einige Wochen nach dem Rückbau der Sohl- und Ufersicherungen (Punktmaßnahme 3) konnten vereinzelt Unterspülungen im Böschungsfuß sowie Auskolkungen in der Sohle in diesen Bereichen festgestellt werden.
Die zügig voranschreitenden eigendynamischen Entwicklungsprozesse der Jüchsen erfordern eine kurzfristige Maßnahme zu Sicherung angrenzender Flächen.

Um der „Jüchse“ bzw. „Jüchsen“ eine typkonforme Entwicklung zu ermöglichen, ist die Anlage eines Entwicklungskorridors an einem ca. 2,5km langen Abschnitt unter Berücksichtigung lokaler Restriktionen in den Gemarkungen Exdorf und Jüchsen geplant.

Ziel ist es zu prüfen, ob ein Einstieg in ein Verfahren nach FlurbG notwendig ist.




Bei Fragen steht Ihnen der Landschaftspflegeverband „Thüringer Grabfeld“ e.V. gerne zur Verfügung.

Kontakt:

Sandra Radloff
Landschaftspflegeverband "Thüringer Grabfeld" e.V.
Röhmilder Steinweg 30
98630 Römhild
Tel.: 036948/80481
Fax: 036948/80529

Mail: lpvgrabfeld@t-online.de
Dieses Projekt wurde finanziert aus Mitteln des
ERARBEITUNG PFLEGE-UND ENTWICKLUNGSKONZEPT - 2009


1. UMSETZUNGSZYKLUS - 2011/2012
zurück zur Startseite



zurück zur
Projektübersicht



Vereinsziele
Wirkungsbereich
Satzung
Beitragsordnung
Mitarbeiter
Unser Verband
Aktuelles
Termine
Gewässerunterhaltung- und Entwicklung
Vertragsnaturschutz
KULAP
Streuobstvermarktung
Flächenverwaltung/ GIS
Aufgaben
Projekte
Anfahrt
Links
Impressum
DVL Projekt
Öffentlichkeitsarbeit
Umweltbildung
Presse
Archiv
Faltblätter

2. UMSETZUNGSZYKLUS - 2013/2014
Zeitungsartikel vom 28.12.2011
Zeitungsartikel vom 13.02.2013