ENL-Projekt "Schutz und Förderung des Steinkrebses im FFH-Gebiet 220 'Wiesen im Grabfeld'"
Der Landschaftspflegeverband "Thüringer Grabfeld" e.V. betreut vom 02.05.2012 bis zum 31.08.2012 das Projekt "Schutz und Förderung des Steinkrebses im FFH-Gebiet 220 'Wiesen im Grabfeld'". Dieses wird über die Förderinitiative Ländliche Entwicklung in Thüringen, Programm "Entwicklung von Natur und Landschaft" gefördert. Die Fördermittel werden von der Oberen Naturschutzbehörde im Thüringer Landesverwaltungsamt ausgereicht.

Seit Jahrhunderten gestaltet der Mensch die Landschaft und deren Lebensadern - die Gewässer. Da diese in einem entscheidenden Maß von ihrem näheren Umfeld abhängig sind, erlagen sie infolge der Nutzungsintensivierung und der dadurch entstandenen Kulturlandschaft einer ständigen Veränderung. Sie wurden verlegt, verkürzt, begradigt und kanalisiert. Dieses führte zu erheblichen, nachhaltigen Beeinträchtigungen und in Folge dessen zum Rückgang zahlreicher an diesen Lebensraum gebundener Tier- und Pflanzenarten.

Arten mit einer sehr engen Biotopbindung, wie der Steinkrebs (Austropotamobius torrentium), sind besonders von der Veränderung ihres Lebensraumes betroffen. Noch bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts war der Steinkrebs weit verbreitet und bildete zum Teil Massenvorkommen. Heute ist er "Vom Aussterben bedroht" (Rote Liste Thüringen: Stufe I) und zählt zu den prioritären "Arten von gemeinschaftlichen Interesse" (Anhang II der FFH-Richtlinie), für deren Erhaltung besondere Schutzgebiete auszuweisen sind.

Der Steinkrebs besiedelt kleine kalte Flüsse in Berg- und Hügelländern (Epirithral) und benötigt als überwiegend nachtaktive Art tabgsüber Versteckmöglichkeiten, um sich vor Raubtieren schützen zu können. Hierbei bieten ihm Steine, Totholz und bis ans Wasser reichende Wurzelwerke die nötigen Strukturen. Insgesamt benötigt der Steinkrebs sehr naturnahe Bachläufe mit einer Vielzahl unterschiedlicher Gewässerstrukturen mit ausgeprägter Tiefen- und Breitenvarianz, wie Kolke, Stromschnellen und Mäander. Er ist empfindlich gegenüber stickstoffhaltigen Einträgen aus landwirtschaftlich genutzten Flächen und kommunalen Abwässern sowie Pestiziden.

Durch das Projekt soll der Schutz und die Förderung der Population des Steinkrebses im und in anschließenden Bereichen des FFH-Gebietes 220 "Wiesen im Grabfeld" sowie im Einzugsgebiet der Streufdorfer Kreck gefördert werden. Das Projekt beinhaltet die Erfassung und Auswertung der aktuellen Vorkommen sowie wasserwirtschaftliche Maßnahmen zur direkten Verbesserung und Erweiterung der Lebensräume der bedrohten Steinkrebse. Des Weiteren erfolgt die Analyse von äußeren Einflüssen, wie z.B. der Nährstoffeintrag aus landwirtschaftlich genutzten Flächen, auf den Lebensraum von Steinkrebsen.

Im Juli 2012 erfolgte eine Bestandserfassung der Steinkrebse durch Herrn Dipl.- Biol. W. Schmalz. Die Untersuchung ergab, dass es sich im Projektgebiet um eines der bedeutendsten Steinkrebsvorkommen in ganz Thüringen mit geschätzten 500 Tieren handelt. Des Weiteren ist erstmalig das Trockenfallen des Fließgewässers im Unterlauf festgestellt worden. In den trocken gefallenen Bachabschnitten wurden verendende und bereits verendete Tiere gefunden.

Die neuen Erkenntnisse bewogen zu einem Umdenken in den geplanten Maßnahmen. Es erfolgte zunächst eine hydrologische Analyse im Einzugsgebiet. Hierdurch konnte das hydrologische Verhalten des Fließgewässers genauer betrachtet werden. Anschließend konnten angepasste Maßnahmen entwickelt werden.

Durch die Anlage von insgesamt 8 Kolken im Gewässerbett wurden Bereiche geschaffen, in denen auch bei Trockenzeiten tiefere Wasserstände herrschen. Die betroffenen Bereiche wurden auf einer Tiefe von ca. 0,50 m und einer Länge von ca. 5 m ausgegraben. So haben die gefährdeten Steinkrebse zusätzliche Rückzugsräume, in denen Extremereignisse überbrückt werden können. Um zusätzliche Strukturen im Gewässer zu schaffen, kamen auch ingenieurbiologische Bauweisen zur Anwendung.

Durch den Einbau von Stammbuhnen im Oberwasser der angelegten Kolke wurde die Strömungsvielfalt erhöht und die Eigendynamik des Fließgewässers verbessert. Der Einbau von Totholz in die Sohle der angelegten Kolke bietet Steinkrebsen Initialstrukturen und sichert eine schnelle Wiederansiedlung der von Baumaßnahmengestörten Fließgewässerabschnitte.

Um die neu geschaffenen Strukturen und die bereits vorhandenen Lebensräume vor äußeren Einflüssen zu schützen, erfolgte die Anlage eines ausgeprägten Gewässerrandstreifens entlang des Fließgewässers. Mit dem ansässigen landwirtschaftlichen Betrieb wurde sich auf die Anpflanzung von Hecken mit Baumanteil auf einer Breite von bis zu 3 m geeinigt. Insgesamt wurden 14 Bäume und 100 Sträucher entlang der Ufer gepflanzt. Der Lebensraum von Steinkrebsen ist direkt vom vorhandensein standorttypischer Gehölze abhängig. Der Eintrag von Fallaub und Totholz wird erhöht, sodass mehr Nahrung zur Verfügung steht und zusätzliche Strukturen im Gewässer geschaffen werden.
Foto: Steinkrebs
(Foto LPV, 15.07.2011)
Besucher
Das Projekt wird über die Förderinitiative Ländliche Entwicklung in Thüringen, Programm "Entwicklung von Natur und Landschaft" gefördert.

Die Fördermittel werden von der Oberen Naturschutzbehörde im Thüringer Landesverwaltungsamt ausgereicht.
Hier investiert Europa und der Freistaat Thüringen in die ländlichen Gebiete.
Foto: Kolk mit Stammbuhne und Totholz in der Sohle (Foto LPV, 22.11.2012)
Foto: Anpflanzung von Bäumen und Sträuchern als Gewässerrandstreifen (Foto LPV, 06.12.2012)
zurück zur Startseite



lpv_website035001.jpg
Landschaftspflegeverband "Thüringer Grabfeld" e.V.
Vereinsziele
Wirkungsbereich
Satzung
Beitragsordnung
Mitarbeiter
Unser Verband
Aktuelles
Termine
Gewässerunterhaltung- und Entwicklung
Vertragsnaturschutz
KULAP
Streuobstvermarktung
Flächenverwaltung/ GIS
Aufgaben
Projekte
Anfahrt
Links
Impressum
DVL Projekt
Öffentlichkeitsarbeit
Umweltbildung
Presse
Archiv
Faltblätter